Das Theater, der Populismus und die Moral

Eröffnungsvortrag von Bernd Stegemann

Das Theater wurde wohl nicht zufällig zur gleichen Zeit erfunden wie die athenische Demokratie. Die politischen Redner verwenden seither die theatralischen Mittel der Rhetorik und der Darstellungskünste, um die Mehrheit für sich zu gewinnen, und die Kunst der Tragödie stellt die Gefahren der Hybris dar, die jeden bedrohen, der eine solche Macht über Menschen hat. Die Zuspitzung des Konflikts, die als wesentliches Merkmal des Populismus gilt, ist zugleich der Kern der dramatischen Handlung.

Die lange Geschichte des Theaters kann als ein ästhetisches Ringen verstanden werden, durch das der Populismus mit Hilfe der Moral gebändigt werden soll. Aber ob Moral die richtige Waffe im politischen Kampf ist und wo die Grenze zum Moralismus verläuft, darüber gilt es immer wieder neu nachzudenken.

Anschliessend ist das Publikum herzlich zu einem Apero eingeladen.

Kulturhaus Helferei, Kirchgasse 13, 8001 Zürich

Sprache - Deutsch

 

Bernd Stegemann studierte Philosophie und Germanistik an der FU Berlin und der Universität Hamburg. Als Dramaturg war und ist er am Frankfurter TAT, am Deutschen Theater Berlin, an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin sowie an diversen Häusern und Festivals tätig. 2005 wurde er zum Professor für Theatergeschichte und Dramaturgie an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch berufen. 2013 erschien Stegemanns vieldiskutierte Monographie „Kritik des Theaters und 2015 sein Buch „Lob des Realismus. 2017 veröffentlichte er das Buch „Das Gespenst des Populismus. Ein Essay zur politischen Dramaturgie“.

23.05.2018—18h00
Auf deutsch
Länge 1h30