Grimmige Märchen

Regie: Herbert Fritsch

Wo: Auf dem Sofakissen im Wohnzimmer. Unter dem Sofakissen im Wohnzimmer. Im Sofakissen im Wohnzimmer – und von dort via eines Trampolins mittendrinnen in der Märchenwelt der Gebrüder Grimm. Was: Ein Märchen für Erwachsene und für alle, die es werden wollen. Eine Revue aus über 60 Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, samt Auftritt des Schweizer „Birrlischüttlers“ aus der Feder der Bilderbuchautorin Lisa Wenger.

Herbert Fritsch und sein Ensemble feiern die schwarze Bürgerseele mit einer schwarzen Messe. Dazu drehen sie das Sitzkissen auf unserem Sofa von unten nach oben und bringen ans Licht, was dort seit alters muffelt und modert. Es sind unsere Urängste, die von den Gebrüdern Grimm einen Namen und ein Gesicht erhalten haben: Ein Froschkönigshafter (Florian Anderer) und ein Drosselbärtiger (Markus Scheumann); ein Gehänselter (Elisa Plüss) und das Rotzkäppchen (Anne-Ratte Polle); das Schneewitzchen (Claudius Körber) samt Goldesel-Marie (Henrike Johanna Jörissen); die Rapunzel-Runzel (Friederike Wagner) und die Schwiegerrabenvatermutter (Nicolas Rosat).

Sie alle feiern eine Märchenstunde, die ein Markstein der Theater- und Ensemble-Neuerfahrung ist. Dem Regisseur und Bühnenbildner glückt ein Übermärchen von gespenstischer Intensität durch eine Ensembleleistung par excellence. Oder ist das hier schon Hochleistungssport? Und, womit wären die Fritsch-Sportler gedopt? Natürlich mit unsrem Applaus.  

Die Fritsch-Bukoliker gehen an ihre Grenzen und darüber hinaus und wagen den Tabubruch mit der schönsten Bürgereinrichtung seit Erfindung der Demokratie, der Familie: Sie entlarven Familie als Brutstätte des Grauens. Alleine diese Leistung ist anerkennenswert. Märchen zudem als Literaturform des Urmenschlichen und Urbösen zu verstehen, ist sogar preiswürdig. Wer ein Kissen, diesen bürgerlichen Behaglichkeitsuntersatz derart entstaubt und uns vor Augen hält, worauf wir seit Generationen sitzen, der übt in Zeiten des realpolitischen Irrsinns Gesellschaftskritik.

(Daniele Muscionico)

Regie
Herbert Fritsch 

Mit
Henrike Johanna Jörissen, Elisa Plüss, Anne Ratte-Polle, Friederike Wagner, Florian Anderer, Claudius Körber,
Nicolas Rosat, Markkus Scheumann

Bühne
Herbert Fritsch

Kostüme
Victoria Behr

Licht
Gerhard Patzelt

Dramaturgie
Evy Schubert

Premiere am 7. April 2017 im Schauspielhaus Zürich


Übertitel (französisch)
Dóra Kapusta 

25.05.2018—19h00
Auf deutsch
Übertitel französisch
Länge 1h30