Theater in der Migrationsgesellschaft

Podiumsgespräch

Spätestens mit der sogenannten „Flüchtlingskrise“ ist Migration zu einem beherrschenden Thema des gesellschaftspolitischen Diskurses avanciert. In der öffentlichen Meinung werden dabei die Herausforderungen, die mit der Zuwanderung und Integration verbunden sind, vornehmlich als problematisch wahrgenommen. Dabei droht vergessen zu gehen, dass die Schweiz längst eine Migrationsgesellschaft ist und die demographische Entwicklung eine kulturelle Diversität zur Folge hat, die in vielerlei Hinsicht längst zur gesellschaftlichen Normalität gehört.

In den Programmen und den Strukturen der Schweizer Theater schlägt sich dieser gesellschaftliche Befund jedoch (noch) kaum nieder und Theaterprojekte, die das Thema Migration, kulturelle Vielfalt und Identität aufgreifen, haben mehrheitlich den Charakter von Nischenprodukten.

Das Maxim Gorki Theater in Berlin etwa versteht sich bewusst als postmigrantisches Theater und lädt dazu ein, über die Theaterarbeit die „condition humaine des heutigen Menschen und seine Identitätskonflikte zu reflektieren, um zu einer sorgfältigen und geduldigen Debatte über unser Zusammenleben in der heutigen Vielfalt beizutragen“. Nach einem Impulsreferat von Dr. Onur Suzan Nobrega, Medien- und Kulturwissenschaftlerin und Expertin des postmigrantischen Theaters, diskutieren Vertreterinnen und Vertreter des Schweizer Theaters mögliche Ansätze, wie kulturelle Diversität zum Thema werden kann und werfen die Frage auf, inwieweit die bestehenden Strukturen geeignet sind, die kulturellen Implikationen der Migrationsgesellschaft angemessen in den Theateralltag zu integrieren. 

Mit:

Dr. Onur Suzan Nobrega (Expertin postmigrantisches Theater, Universität Frankfurt a.M.)
Carine Kapinga (Schauspielerin, Tänzerin und Theaterpädagogin)
Cihan Inan (designierter Schauspieldirektor Konzert Theater Bern)
Vincent Baudriller (Directeur Théâtre Vidy Lausanne)
Flavio Stroppini (Regisseur, Autor)
Ines Mateos (Expertin für Diversität)

* Shermin Langhoff hat aus terminlichen Gründen die Teilnahme absagen müssen.

Moderation: Christoph B. Keller

Simultanübersetzung

27.05—11:00
Auf französisch, deutsch, Italienisch
Länge 2h