Gaia Gaudi

Gardi Hutter & Co.

Regie: Michael Vogel

Wo: Im Reich der untoten Mutter, das heisst in der Fantasie. Denn Mütter sterben aus Sicht ihrer Kinder nie. Das Königreich dieser Mutter ist das Reich des Clowns. Wie kann man eine Clownmutter meucheln, morden, mundtot machen, verschwindibus? Denn auch ein Clownkind will einmal sein eigenes Stück Leben und sein eigenes Stück Kunst!

Was: Wer schon alles von der grossen komischen Figur dieses Landes zu wissen glaubt, weiss nichts. Gardi Hutter ist kein Clown, sie ist eine Philosophin. Und eine Sterbeforscherin. Und eine zweifache Mutter. Deshalb inszeniert sie ein Familienstück und leistet damit eine Art poetische Geburts- und Sterbeübung.  

Wer ist tot, wer lebendig? Man kann es nicht wissen in „Gaia Gaudi“, diesem sehr anderen Familienunternehmen, in dem der Nachwuchs sein Recht einfordert. Gardi Hutters Kinder sind Teil des Kreativteams, die Sängerin Neda Cainero und der Perkussionist Juri Cainero treten zum ersten Mal gemeinsam mit ihrer Mutter auf. Und natürlich gehört auch die Tänzerin und Hutters Schwägerin Beatriz Navarro mit zur Bande. Man spricht über die Generationen hinweg und will Kulturen verbinden, dazu taugt die Obertonstimme und der Brabbel-Speak.

Doch im Grunde gibt es keine Verständigung, und vor allem gibt es auf der Bühne kein Verständnis der Kinder für das, was Gardi ein Leben lang geleistet hat: Sie ist als Putzfrau „Hanna“ unsterblich geworden. Was für eine Hypothek für die Jungen!

Acht Programme lang, ein Leben lang ist die Putzfrau schon da.  Alles ist „Hanna“ in der Wahrnehmung der Kinder, sie ist die Urgöttin und Urmutter der Kreativität seit Anbeginn. Selbst die steinzeitliche „Venus von Willendorf“ scheint ihr, drall und prall, wie aus dem gebärfreudigen Becken geschnitten. Jetzt muss „Hanna“ weg! La Mamma soll endlich sterben!

„Gaia Gaudi“ ist ein urmütterlicher Schöpfungsbericht in der Nachfolge von Samuel Beckett. Doch dieses „Endspiel“ hat ein Argument mehr, und es sitzt mitten im Gesicht. Hutter & Co macht ihrem Publikum glaubhaft:  Die Kunst des Sterbens kann man lernen. Eine rote Nase macht aus dem Tod einen Witz.

(Daniele Muscionico)

Von und mit
Gardi Hutter, Neda Cainero, Juri Cainero, Beatriz Navarro

Regie/Coautor
Michael Vogel

Musik
Juri Cainero, Neda Cainero

Choreografie
Beatriz Navarro

Regieassistenz
Heleen Klooker

Kostüm
Valentina Rinaldi

Masken
Mafalda da Camara, Beatrice Hutter

Bauten
Thomas Fri Freydl

Grafik
Enea Toldo

Team Coaching
Marianne und Ivan Verny

Tour Technik
Raffaella Benini, Rebecca Vonlaufen, Marius Kirch

Kooproduktion mit
Theater am Hechtplatz, Zürich, LuganoInScena, LAC Lugano, Theaterhaus Stuttgart

Premiere am 18. September 2018 im Theater am Hechtplatz, Zürich

22.05—20h30
Länge 1h50'