Coco - ein Transgendermusical

Alexander Seibt und Markus Schönholzer

Regie: Stefan Huber

Coco war und ist die berühmteste Transfrau der Schweiz: Eine Frau im Körper eines Mannes, empfindsam und getrieben durch innere und äussere Widerstände, gleichzeitig charismatisch, glamourös und ein veritabler Star in Bern. Mit zwanzig Jahren unterzog sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation und dank dem Film «Traum Frau Coco» von Paul Riniker erlangte sie Anfang der 1990er-Jahre auch über die Hauptstadt hinaus grosse Bekanntheit. Aber ihr Leben war weiterhin, bis zu ihrem frühen Tod 1998, geprägt von der schmerzlichen Suche nach der eigenen Identität.

Das Transgendermusical «Coco» ist eine Hommage an diese Frau, dank der sich in der Schweiz erstmals ein breites Publikum mit Fragen nach Geschlechtsidentitäten konfrontiert sah. Die Stückfassung von Alexander Seibt und Markus Schönholzer nimmt den Berner Lokalkolorit aus den 1980er-Jahren auf und zeichnet Stationen aus Cocos Leben nach. Im Zentrum steht aber nicht der Anspruch auf historische Genauigkeit, sondern die Frage, wie es ist, in einem Körper zu leben, der nicht das eigene biologische Geschlecht repräsentiert. In der Inszenierung von Stefan Huber verkörpern Mariananda Schempp und Gabriel Schneider die Hauptfigur stets als ungleiches Paar: Hier die selbstbewusste, glamouröse und um Sichtbarkeit und Anerkennung ringende weibliche Coco; dort ihr männlicher Körper, ungeschickt und verletzlich, der ihr als ungeliebter Schatten immer wieder im Weg steht. Durch diese Zweiteilung werden die Spannungen und Uneindeutigkeiten rund um die eigene Identität deutlich gemacht. Ein gleichzeitig simpler und grossartig-stimmiger Theaterkniff.

Gekonnt hält die Inszenierung auf Basis von kraftvollen Musical-Nummern und dank einem lustvoll aufspielenden Ensemble die Balance zwischen Leichtigkeit und Drama, zwischen Scherz und Schmerz. Daraus resultiert eine «Gedenkfeier mit Freudentränen»: «Coco» ist ein intelligenter und bewegender Theaterabend mit hoher sozialer Dringlichkeit und gesellschaftlicher Relevanz, mit viel Schmiss und Charme, und mit noch viel mehr Herz.

(Mathias Bremgartner)

Text und Story– Alexander Seibt

Songs und Lyrics– Markus Schönholzer

Nach einer Idee von– Cihan Inan

Mit – Mariananda Schempp, Gabriel Schneider, Luka Dimic, Christoph Marti, Grazia Pergoletti, Jonathan Loosli

Regie– Stefan Huber

Musikalische Leitung– Hans Ueli Schlaepfer

Choreografie– Timo Radünz

Bühne– Jose Luna

Kostüme– Heike Seidler

Dramaturgie– Fadrina Arpagaus

Produktion– Konzert Theater Bern

Premiere am 20. April 2018 im Konzert Theater Bern

Französische Übertitel (SUBTEXT: Juliane Regler / Dóra Kapusta)

25.05—20h30
Auf deutsch
Übertitel französisch
Länge 2h